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Da diese Fortbewegungsart sehr populär ist, sollten wir einen Versuch wagen!
So oder so ähnlich waren die ersten Überlegungen, in der heutigen Zeit zu pilgern. Der traditionelle Hintergrund sollte erst einmal keine Rolle spielen, oder doch?
Dürfen Protestanten denn überhaupt pilgern?
Sie dürfen! Warum auch nicht, wo doch heute jeder auf dem Weg zum individuellen Heil ist. Außerdem spielt die sportliche Komponente auch eine Rolle. Sind wir nicht alle auf dem Weg, uns ständig zu beweisen?!
Vielleicht sind es aber genau diese vorgeschobenen Einstiegsgründe,
die uns schlussendlich zum Pilger machen.
Wenn man also diese vermeintlichen Schwellen überwunden hat und dann auf einmal den inneren Entschluss gefasst hat, Pilger zu werden, dann beginnt die eigentliche Arbeit. Heute kann ich sagen, dass ich als fast 50jähriger, trainierter Soldat (25 X Sportabzeichen/Leistungsabzeichen), schon nach 10 Jahren
Dienst im Büro das Gefühl verspürte, ich muss trainieren. Also ran, so wie militärisch gelernt! Trainieren, laufen, marschieren und immer schön in aerobenen Bereich, Puls auf 120… alles wird gut. Aber genau DAS wurde es nicht, die Trainingseinheiten sind etwas anderes als im „normalen“ Sport, mein erstes Probepilgern gemeinsam mit einer Kameradin, die auch mit wollte, bescherte mir nach 25 km Muskelkrämpfe in beiden Beinen, die auch durch eine Massage nicht zu normalisieren waren. Ich hatte also gelernt und weiß jetzt, dass auch eine vernünftige Portion Magnesium zur Ausrüstung gehört.
So übten wir ein gutes halbes Jahr im Voraus.
Als der Starttag, der 13. Mai 2009 anbrach, war es schön in Schleswig-Holstein. Ich ging der aufgehenden Sonne von zu Hause aus entgegen, um meine Kameradin abzuholen, da sie zwischen mir und dem Startpunkt im Rendsburger Stadtseegelände wohnt. Dort, an der Stähle nach St. de Compostela, sollte unser Abenteuer beginnen. In einem festlichen Pilgersegengottesdienst wurden wir verabschiedet und man wünschte uns, 29 Zivilisten, 33 Soldaten und 21 Betreuern
für Küche, Sanität und Verkehrssicherheit, viel Glück!
Wer, wenn nicht wir, sollten es schaffen eine Strecke von 200 Kilometern von Rendsburg nach Bremen zurückzulegen!
So lief die Strecke unter uns durch, ja genau dieses Gefühl kam auf, ein Gefühl zu fragen, wer läuft da eigentlich?
Wir schafften Stunde um Stunde, Tag für Tag - wir pilgerten.
Irgendwann dann hatten wir sie, die Pilgergeschwindigkeit, diese kraftsparende Bewegung, die es einem möglich machte, gut 14 kg
(alles was man braucht), zu tragen und zufrieden zu sein, weil nicht das Ankommen, sondern das Unterwegs sein zählt. Der Mai eignet sich in unseren Breiten ganz besonders zum pilgern.
Wir hatten nur einmal Regen und das fast zum Schluss, schon dadurch war er wie eine Waschung vor dem Ankommen.
Obwohl wir in einer großen Gruppe unterwegs waren, hatte jeder sein Einzelerlebnis, das durch Zeiten des Schweigens noch unterstützt wurde.
Hier waren Menschen unterwegs, die sich nicht kannten, Menschen, die unterschiedliche oder keine Konfession haben, doch sie wurden freiwillig in den Tag beschließenden Andachten zusammen geführt.
Dadurch entstand ein WIR, eine Gruppe, die Vertrauen hat, eine Gruppe die ihre Schwächen kennt und sich gegenseitig hilft.
Die Altersunterschiede waren enorm, von 19 bis 79 Jahren, der eine mit Dynamik, der andere mit Erfahrung. Doch spätestens nach drei Tagen, als alle Blasen hatten war die Homogenität hergestellt und so kamen wir durch, jeden Tag nach 25 km und jeden Morgen in die frische, frühlings-geprägte Natur, bis nach Bremen. Bei der Ankunft in Bremen sahen wir in den Gesichtern Erleichterung, aber auch Wehmut, dass alles vorbei sein muss.
Darum hat jeder für sich etwas mitnehmen können und schließt ab mit einem besonderen Erlebnis, das vielleicht sein Leben verändert hat.
Wir wollen mehr von diesen Erlebnissen schaffen, darum machen wir
uns als Gemeinschaft Evangelischer Soldatinnen und Soldaten, auch im Jahr 2010 wieder auf den Weg. Unser Ziel ist der Ökumenische Kirchentag, der in München stattfindet. Doch zu Fuß bis nach München, da muss auch ich erst auf die Pensionierung warten.
Also stimmen wir uns ein, wie wir es auch in den nächsten Jahren machen wollen. Dieses Mal, 2010, in Schleswig-Holstein, auf dem Bordesholmer Altarweg.
Der Bordesholmer Altar wurde durch den Schnitzer Brüggemann
für die Klosterkirche in Bordesholm in Auftrag genommen, durch den
30jährigen Krieg und die daran anschließende Reformation kam es
aber ganz anders. Kommen sie mit uns auf den Weg!
Im Mai 2010 in der Woche vor dem Ökumenischen Kirchentag
vom 06.-09.05.2010 im schönen Schleswig-Holstein, pilgern Sie mit
uns, 80 km in vier Tagen, auf den Spuren des Brüggemannaltars
auf seinem Weg nach Schleswig.
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